Wettlauf der Ratingagenturen

Die verschiedenen Herabstufungen der Ratings für Staatsanleihen muten mittlerweile wie ein Wettlauf der Ratingagenturen für mehr Aufmerksamkeit an. Denn letztendlich sind die drei wichtigen Ratingagenturen auch nur Wirtschaftsunternehmen, die im Wettbewerb stehen. Diese wichtigen drei Ratingagenturen sind Standard & Poor’s (gegründet 1868), Moody’s Investors Service (gegründet 1909) und Fitch Ratings (gegründet 1924). Alle diese Ratingagenturen haben Ihren Hauptsitz in New York.

Ein gutes Rating von einer Ratingagentur, welche die Euro-Staaten kritisch bewertet und dadurch ständig in der Presse ist, könnte als besonders wertvoll angesehen werden. Das Irland-Downgrade von gestern ist halt sehr pressewirksam. Die Konkurrenz schläft nicht. Standard & Poors hat erst letzten Monat Griechenland auf Ramschstatus gesetzt und damit einen Presserummel ausgelöst. Der einfache Grund für die Konkurrenzsituation zwischen den Ratingagenturen ist, dass ein Unternehmen eine Ratingagentur für ein Rating beauftragen und noch wichtiger bezahlen muss. Viele Unternehmen wählen aufgrund der Kosten erstmal nur eine Ratingagentur aus. Da das Recht zur Veröffentlichung bei so einem Auftrag bei dem Unternehmen liegt, kann sich das bei einer schlechten Bewertung danach entscheiden, ob es das Rating zur Veröffentlichung frei gibt oder sperrt. Eventuell kann dann eine andere Ratingagentur beauftragt werden, mit der Hoffnung ein besseres Rating zu bekommen, das dann veröffentlicht werden kann.
 
Ein Rating hat für ein Unternehmen erhebliche Auswirkungen. Genau wie Staaten können sich Unternehmen mit besserem Rating günstiger finanzieren. Falls an der Börse gelistet, wirkt sich ein gutes Rating auch immer positiv auf den Aktienkurs aus. Da die drei Ratingagenturen hauptsächlich in den USA und Großbritannien verhaftet sind, ist das Prime AAA Rating dieser beiden Länder angesichts deren Schulden und Budgetproblemen seltsam. Die Ratings dieser beiden Länder mit Schuldenaufnahmen von 10% des BIP in 2011 hätten schon längst um ein bis zwei Ratings herabgestuft werden müssen. Eine europäische Ratingagentur, die teilweise von der EU finanziert, aber absolut unabhängig ist, wäre hier ein Schritt in die richtige Richtung, um die Abhängigkeit Europas von diesen Wettlauf der Ratingagenturen zu verringern.

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Datum: Mittwoch, 13. Juli 2011 11:24
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3 Kommentare

  1. 1

    Die Macht der Rating-Agenturen ist mittlerweile ein großes Problem – nicht nur für betroffene Unternehmen, sondern für den gesamten Finanzmarkt. Wer überprüft egentlich die Rating-Agenturen?

  2. 2

    Die Macht der Rating-Agenturen ist wahnsinn. Glücklicherweise hat sich das mittlerweile relativiert. Der Markt reagiert nicht mehr so stark, wenn mal wieder ein Euro-Land abgestuft wurde. Es ist dennoch bedenklich, dass diese privaten Unternehmen einen so großen Einfluss und dadurch so eine große Macht haben.

  3. 3

    Ich finde auch, dass die Rating-Agenturen zu viel Macht haben. Für Länder, die heruntergestuft werden, kann das richtig krasse Folgen haben und dass, wo es ja dann eh schon nicht ganz so super läuft.

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